Eigentlich wollte ich ja ueber Fussball schreiben…

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Ja, im Zuge der Europameisterschaft wollte ich eigentlich mal ueber Fussball schreiben und das mal bissle von der oekonomischen Seite betrachten aber es kam dann doch alles anders. Zum einen, weil ich aufgrund eines Vorfalls schlicht sprachlos bin, der sich im Spiel von Irland gegen Spanien zueignete. Aber der 83 Minute begannen die irischen Fans bei einem 0:4 Rueckstand das Lied “Fields of Athenry” zu singen… Ein wahrer Gaensehautmoment, der von FAZ gut beschrieben wurde und mich dazu bewegt doch die Klappe zu halten. Der zweite Punkt ist, dass ich ueber ein interessantes Wort gestolpert bin: Nollywood[1]

Noch nie von gehoert? Nun, Nollywood ist der verniedlichte Name der niegerianischen Filmindustrie und, man glaubt es kaum, die weltweit zweitproduktivste Filmindustrie nach unser aller liebgewonnenes Bollywood aus Indien. Aber stellen wir Nigeria erst einmal kurz vor, so oekonomisch nech:

Das ist Nigeria, ein zentralafrikanisches Land mit 170.123.740 Einwohnern und somit auf Platz 7 der Weltrangliste. Wie es sich fuer ein ordentliches Dritteweltland gehoert lag das GDP-Wachstum[2] der letzten 10 Jahre weit ueber den der Industrienationen Europas und Nordamerika, und das selbst waehrend der Finanzkrise. Waehrend bspw. Deutschland in 2009 ein Wachstum von -5,13% hatte konnte sich die nigerianische Wirtschaft ueber satte 7% Wachstum freuen. Damit waren sie naeher an Chinas 9.2% als wir. Damit ist das GDP selbst in Nigera von 45,98 Milliarden US$ in 2000 auf 202,52 Milliarden US$ in 2010 gewachsen[3]. Das GDP per capita[4] betrug 2011 etwa 2.600 US$, was das Land auf Platz 177 der Weltrangliste schubst[5]. Zwischen 2002 und 2005 wurde mit dem Paris Club und dem IMF ein Schuldenerlass verhandelt. Im Gegenzug wurden marktwirtschaftliche Reformen gefordert, zum Beispiel eine Verbesserung des Bankensektors und eine Diversifikation der Volkswirtschaft, bis dahin war die Oelindustrie der Schwerpunkt mit 80% der Staatseinnahmen[6]. Dieser Erlass fuehrte dazu, dass Nigerias Schulden von 37,67 Milliarden US$ in 2004 auf 7,69 Milliarden US$ in 2006 sanken und nach einer leichten Erhoehung sich 2010 bei 7,88 Milliarden US$ eintaumelten. Die Umstellung ist auch ein Grund fuer das steigende Wachstum ab 2008, von 6% ueber die 7% in 2009 bis zu 8,7% in 2010, welches vor allem durch dem Dienstleistungsbereich zu verdanken ist. Kurz gesagt: Nigeria gehoert zu den aufstrebenden afrikanischen Staaten suedlich der Sahara. Es ist aber noch ein langer Marsch bis man sich mit Suedost-Asien messen kann.
CIA als Quelle

Soviel zur Vorstellung Nigerias. Also, ich sprach Anfangs von der Filmindustrie. Diese gehoert naemlich zur Dienstleistungsbranche und nigerianische Filme sind Exportgut Nummer zwei nach dem Oel mit schwergewichtigen 500 Millionen US$ Einnahmen. In 2006 produzierte Nigeria 872 Filme und nahm damals schon Platz zwei hinter Indien mit seinen 1.091 Filmen ein. Deutschland schafte es mit 147 Filmen auf Platz 7.

Hauptinhalt sind moraliche Dilemma der modernen Mittelklasse Nigerias, Religion, Zauberei aber auch oekonomische Perspektiven und Gewalt. Dabei machen die Filmemacher aber auch keine halt davor starke evangelikale Richtungen zu bewerben was in Verbindung mit dem Aberglauben an Zauberei zu brutalen Misshandlungen gegenueber Kindern fuehren kann. Das ist leider die tragische Seite der Filmindustrie, denn durch die mediale Verbreitung wird das Problem tadierten Aberglaubens in Verbindung wahnhafter religioeser Dogmatik noch staerker verbreitet.

Jedenfalls schlafen die Nachbarn Nigerias auch nicht, denn inzwischen gibt es starke Konkurrenz fuer den nigerianischen Film. Zum Bleistift bauen Ghana und Liberia ihr Ghallywood bzw. Lolliwood inzwischen mit Druck auf. Ganz ehrlich, ich find die Namen schon knuffig…

Nun, vielleicht lohnt sich ja mal ein Blick auf einen afrikanischen Film… Eine, meines Erachtens, gute Moeglichkeit der Entwicklungshilfe. Gut, bei den Trailern sollten se noch etwas arbeiten =D …

 Fussnoten:

[1]: das muss jetzt fett sein

[2]: Gross Domestic Product = Bruttonationaleinkommen

[3]: Quelle: Die Datenbank der Weltbank

[4]: GDP pro Person

[5]: Platz 1 ist Lichtenstein mit 141.100 US$ und Platz 226 ist die demokratische Republik Kongo mit 300 US$

[6]: 2011 sah es anteilsmaessig so aus: Landwirtschaft: 35.4% Industrie: 33.6% Dienstleistungen: 31% Anteil vom GDP

Noch ein paar Quellen:
Haynes, N. (2011). Nollywood tales. Books & Culture, n.a

Highet, J. (2010). Inside Nollywood. New African, 494, 18-19

The Economist (December 2010). Nollywood – Lights, camera, Africa. Retrieved June 10th, from  http://www.economist.com/node/17723124?story_id=17723124&CFID=153287426&CFTOKEN=59754693

Elliott, L. (May 2012). Africa’s spectacular growth jeopardised by rising inequality, new report warns. The Guardian, Retrieved June 10th, from http://www.guardian.co.uk/world/2012/may/11/africe-economic-growth-jeopardised-rising-inequality

Aquila, F. (June 2010). Africa’s biggest score: A thriving economy. Bloomberg Businessweek, Retrieved June 10th, from http://www.businessweek.com/investor/content/jun2010/pi20100628_516449.htm

Mahajan, V. (2009). Africa rising: How 900 million African consumers offer more than you think. New Jersey: Pearson Education

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One thought on “Eigentlich wollte ich ja ueber Fussball schreiben…

    Dillerbse said:
    June 19, 2012 at 2:00 pm

    Ich vermisse die mordende Mittelkasse (scnr)

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