Hola señor: Keynes zu Besuch in Peru?

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Eine der zentralen Thesen von Lord Keynes, und das unterscheidet ihn von den klassischen Oekonomen seiner Zeit, war die Auffassung dass die positive Entwicklung eines Landes und seiner Marktwirtschaft nicht allein durch die selbstregulierenden Mechanismen von Angebot und Nachfrage gesteuert werden kann, sondern dass Papa Staat durchaus in schlechten Zeiten eingreifen muss um ein wenig Kohle in den Ofen zu schippen. Hinzu kommt noch das Konzept des Keynesian Multipliers der aehnlich funktioniert wie ein Zins. Sprich, wenn Papa Staat eine Investition in ein Projekt steckt und so z.B. eine Firma beauftragt eine 13-spurige Autobahn zu bauen so erhalten die Angestellten einen Lohn den sie, abzueglich ihres Sparwillens, woanders ausgeben was wiederum bedeutet jemand anderes kann bezahlt werden und der dann ebenso konsumieren geht usw. usf.. Obwohl diese Thesen bereits seinerzeit stark kritisiert wurden, unter anderem durch von Hayek[1], erfreuten sie sich seitdem immer einer gewissen Beliebtheit unter Politikern in wirtschaftspolitischen Fragen. Wenn also ein Staat mal wieder irgendwo massig Kohle ausgibt um die Wirtschaft anzukurbeln steckt ein bisschen Keynes da drin.

Allerdings, wie von von Hayek bspw. argumentiert, ist nicht jede Staatsinvestition trotz guten Willens wirklich sinnvoll und es gibt einen Haufen Literatur die anzweifelt dass der Multiplier wirklich signifikant ist. Ein solcher Fall laesst sich jetzt offensichtlich in Peru beobachten. Peru nahm am One Laptop per Child Programm teil, eines der groessten Bildungsprogramme der Welt welches von Nicholas Negroponte ins Leben gerufen wurde und mehr als 2,5 Millionen XO Laptops, Stueckpreis US$200, weltweit an Schulen verteilt hat. Peru gehoert nun neben Laendern wie Venezuela, Argentinien oder Aethopien zu den Teilnehmern an diesem Programm und investierte in 2008 gut 200 Millionen US$ um die Laptops an Schulen um durch Bildung den Kampf gegen Armut aufzunehmen.

Vor kurzem veroeffentlichte jetzt die Inter-American Development Bank eine Studie (Crista, Ibarrarán, Cueto, Santiago & Severín, 2012) in denen die Effekte des Programms in 319 Schulen im laendlichen Peru untersucht wurden. Leider kam die Studie zu keinem besonders positiven Schluss. Zwar wurden positive Effekte auf die kognitiven Fertigkeiten der Kinder gemessen, jedoch gab es kaum oder keine Fortschritte beim Lernen von Mathematik, Sprachen, Hausaufgabenbewaeltigung usw.. Das quasi vernichtende Urteil findet sich bereits in der Einleitung: “Nonetheless, there is little solid evidence regarding the effectiveness of this program” (Crista et al., 2012, p. 2). Den Grund sieht die Studie vor allem darin, dass die betroffenen Lehrkraefte nicht gut genug ausgebildet sind um die Schueler mit der neuen Technologie vertraut zu machen, zum Teil fehlender Strom um die Dinger am laufen zu lassen sowie fehlende Instandhaltungsarbeiten der Software (Bajak, 2012). Im Gegenzug dazu verweisst Bajak (2012) auf eine Studie aus Groningen[2] die zeigt, dass in Aethopien die Lehrkraefte entsprechend ausgebildet wurden und das Programm wesentlich mehr Erfolg hatte.

Investitionen in den Bildungssektor sind immer langfristig zu betrachten, ob sich die Investitionen in die XO-Laptops wirklich auszahlt und die Armut bekaempfen kann wird wohl erst in 10 bis 20 Jahren sagen koennen. Ob und wie weit ersters letzteres beeinflusst ist aufgrund der Vielfahlt von Einflussfaktoren schwer zu sagen. Jedoch wird ein etwaiger Keynsian Multiplier-Effekt, falls er denn existieren sollte, schon im Vornherein durch falsche Planungen zunichte gemacht werden und Peru haette fuer seine Verhaeltnisse einen Haufen Geld umsonst ausgegeben. Da hatte von Hayek schon eher recht mit seiner Forderung nach wohlueberlegten Investitionen. Dennoch bleibt noch genuegend Zeit zur Anpassung, sprich Schulung der Lehrkraefte usw., um der Fehlentscheidung entgegen zu wirken. Denn schlussendlich ist das gesammte Programm, nicht nur fuer Peru, der richtige Weg.

[1]: Beide fuehrten eine rege Auseinandersetzung ueber ihre Veroeffentlichungen. Ausfuehrliches dazu bei einer Debatte der London School of Ecnomics

[2]: Konnte ich leider nicht finden

Quellen:

Bajak, F. (2012, July 3). Peru’s ambitious laptop program gets mixed grades. The Herald Online, Retrieved from http://www.heraldonline.com/2012/07/03/4088608/perus-ambitious-laptop-program.html

Crista, J.P., Ibarrarán, P., Cueto, S., Santiago, A. & Severín, E. (2012). Technology and child development: Evidence from the one laptop per child program. Inter-American Development Bank, Department of Research and Chief Economist, Retrieved from http://idbdocs.iadb.org/wsdocs/getdocument.aspx?docnum=36706954

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One thought on “Hola señor: Keynes zu Besuch in Peru?

    Dillerbse said:
    July 6, 2012 at 4:46 am

    Warum der Einsatz von Schleppis im Mathematikunterricht nichts gebracht hat, MUSS an den Lehrkräften und ihrer fehlenden Medienkompetenz gelegen haben. Denn da kann man so viele tolle Sachen mit machen. Ich wünschte ja manchmal schon, ich hätte wenigstens einen plus Beamer pro Klasse zur Verfügung.

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