Month: October 2012

Eine Odyssee in eigener Sache…

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Manche Dinge brauchen bekanntlich etwas laenger und obwohl ich mir irgendwie nie so recht vorstellen konnte fuer sehr lange Zeit an einem Projekt zu werkeln habe ich jetzt eines endlich beendet, fast, irgendwie, ich hoffe es.

Aber zur Story: So im August letzten Jahres, als ich noch regulaer zur Uni ging und nicht nur faul an meiner Masterarbeit geschrieben habe, besuchte ich einen Kurs in Makrooekonomie. Neben den klassischen Theorien der Makrooekonomie, die ich bereits im Bachelorstudiengang durchgekaut hatte, bot dieser Kurs aber auch Anwendung an, sprich wir haben uns die Theorien genommen, entsprechende Daten verschiedener Laender aus den Datenbanken der Weltbank und des IMF (International Monetary Fund und nicht Impossible Mission Force) besorgt und mal durchgerechnet und gerechnet und simuliert was man eben so mit Daten anstellen kann. Das war alles recht huebsch, ich hab was gelernt und vor allem war es eben kein Kurz wo man stumpf Theorie bespricht was in der Regel schon mal langweilig sein kann. Ein Teil der Pruefungsleistung bestand darin ein kurzes Essay, so 2500 Woerter, zu schreiben in dem man sich ein Land seiner Wahl aussucht und dann eine der lustige Wachstumsfunktionen, Investmentfunktion, Konsumfunktion usw., schnappte, die Daten durchsimulierte und beschrieb was da passiert. Die uebliche Arbeit eines ganz normalen Oekonomen halt: Daten irgendwo anders weg klauen, weil Daten selber erheben ja doof is, und dann in einem Modell durchrechnen und eine tolle Politikempfehlung geben. Interessant wurde das Essay aber durch eine Anmerkung meines Dozenten der, ganz nach der Politik meiner Uni uebrigens, uns helfen wollte ein gutes Essay in ein spaeteren Artikel fuer eine Fachzeitschrift umzuwandeln. Und schwups wurde der Moechtegernakademiker in mir hellhoerig.

Nun habe ich ja die Angewohnheit nicht so recht mit dem Schwarm zu schwimmen, was im Falle des Essays bedeutete a: kein Land aus Asien zu nehmen und b: keine der klassischen Funktionen zu benutzen. Ein bisschen mehr dazu: Aufgrund des Wachstums von China und Indien sind asiatische Volkswirtschaften bei Makrooekonomen recht beliebt, was dazu fuehrt dass es nur so von Literatur mit diesen Standadmodellen wimmelt und im Gegenzug auch bedeutet, dass eine moegliche Veroeffentlichung an einem Ueberangebot gleichen Materials scheitern kann. Also hab ich mich, wieso auch immer, fuer eine Investitionsanalyse in Suedafrika entschieden. Urspruenglich wollte ich mehrere Staaten aus Afrika suedlich der Sahara nehmen allerdings war die Datenlage fuer meine Modelle nicht gut genug, so dass ich nur Mist als Ergebnis hatte. Je mehr Daten man hat desto besser, drum entschied ich mich fuer einen Beobachtungszeitraum von 50 Jahren. Diese Analyse bestand aus einer Zeitreihenanalyse verschiedener Daten und die Extrapolarisation einer Funktion die die Koeffizienten der einzelnen Variablen angiebt um so Aufschluss ueber moegliche Korrelationen usw. usf.. Das ganze sieht dann offiziell so aus:

Und ich war halt auf der Suche nach den griechischen Buchstaben in dieser elustren Formel. Allerdings, neben der Auswahl von Suedafrika wollte ich mich auch nicht an die neoklassische Version der Investitionsfunktion klammern, vorerst zumindest, und ich hab versucht eine neue zu entwickeln die auf den Ansaetzen von Michal Kalecki (1990, 1991) und Lord Keynes (2008 [1963]) basieren und die Korrelation nicht zwischen Investitionen und GDP (Gross Domestic Product aka Bruttonationaleinkommen) sondern zwischen Investitionen und Return on Ivnestments (ROI) suchen. Das Problem mit diesen Ansaetzen ist es aber, dass Unternehmen selten bis gar nicht Daten ueber den ROI veroeffentlichen und darum muss man sich einen guten Proxy ausdenken. Und so versuchte ich eben dieses zu tun und dachte mir lustige Moeglichkeiten aus wie ich einen Proxy fuer den ROI aus den gegeben Daten basteln koennte, von einfachen arithmetischen und logarithmischen ROI’s bis zu etwas komplexeren. Es gab zum Glueck ein bisschen Literatur dazu aber es war nicht einfach. Michel Kalecki bspw. behauptete, dass die Investitionen auch von der Ueberlebenswahrscheinlichkeit von Unternehmen im Markt abhaengen. Die entsprechende Formel dafuer hab ich mir bei Nakamura (2002) geborgt. Das Problem war aber auch hier, dass ich Daten fuer die Anzahl von Unternehme im Markt usw. benoetigte und trotz mehrfachen Anfrage bei allen die in Suedafrika etwas mit Statistiken usw. zu tun hat aber auch gar nix gefunden habe. Inzwischen hatte ich auch das Essay abgeben und bekam eine gute Note obwohl die Modelle einfach nur Mist waren aber man wird hier ja zum Glueck fuer kreativen Umgang mit Literatur und so belohnt. Also ging es auf zur echten Veroeffentlichung und zu den echten Problemen. Denn ich wollte den Krams ja ordentlich schreiben, immerhin sollte die Welt die Moeglichkeit bekommen meine Arbeit zu lesen und je mehr ich mich in die Modelle und so einarbeitete, desto weniger hatte ich einen Plan was da eigentlich passiert. Ich hatte das Gefuehl, dass nach jeder Simulation, ich benutze dafuer ein entsprechendes Programm, names EViews, wieder neue Koeffizienten ausgespuckt wurden. Dazu kam, dass ich auch eine Menge sogenannter Dummies mit eingbaut habe, Variablen die z.B. politische und oekonomische Instabilitaet oder Auslandsinvestitionen beruecksichtigen sollen. Ich hatte die Vermutung, dass der Regimchange vom Apartheidssystem einen Einfluss auf die Investitionen in der Volkswirtschaft hatten, dem war aber irgendwie nicht so was mich stets verwundert hat. Je laenger ich daran arbeitete, desto groesser wurde meine Exceldatei, ich nutzte Spalte A bis AQ und 52 Zeilen allein fuer die Daten und hinzu kamen mehrere Charts und Graphen. Und dann, so vor gut fuenf Monaten oder so hab ich den ganzen Kram uebern Haufen geworfen und von vorne angefangen. Die Modelle waren zu inkonsistent und ich wollte mich aus karrieretechnischen Gruenden lieber auf eine Veroeffentlichung konzentrieren, egal womit, und nicht darauf eventuell nur Muell zu produzieren.

Drum orientierte ich mich um und begann nun Modelle nach klassischen Investitionsfunktionen zu erstellen, mit vielen Dummies und so weiter. Auch das war nicht unbedingt einfach, denn gerade die Dummies sorgten fuer seltsame Ergebnisse. Vor allem als eines der Modelle bei dem Chi-Quadrat-Test eine glatte 1 hervorbrachte wurde ich skeptisch, denn ueblicherweise liegt man weit unter 1. Also alles von vorne und weiter basteln und herausfinden, dass die Daten falsch waren und so weiter. Das hiess vor allem stundenlanges, stupides Eintippen von den immer gleichen Variablen in das Simulationsprogramm, die dann im Falle von insignifikanz per Hand und einzeln bei jeder Simulation wieder geloescht werden mussten. Glaubt mir einfach, es war nervig! Und das habe ich alles nebenbei gemacht waehrend ich noch meine Masterarbeit geschrieben habe. Aber ich habe es vor acht Wochen tatsaechlich beendet und mit dem Segen meines Dozenten an ein Journal zum peer review geschickt und vorgestern folgende Antwort bekommen:

“The paper has also been read by one of the editors. We found the paper very strong and interesting. Our unified view is that your paper has been accepted for publication (…)”

Jetzt heisst es nur noch zu gucken wie ich deren Veroeffentlichungsgebuehren zahlen kann. Zum Glueck hat sich meine Fakultaet dazu bereit erklaert die Kosten zu uebernehmen, es gibt da nur gerade eine kleine Ungereimtheit aber ich hoffe das klappt und dann hab ich es geschafft:

Meine erste wissenschaftliche Publikation =)

Quellen:

Kalecki, M. (1990). Collected Works of Michal Kalecki (Vol. I). Oxford, UK: Clarendon Press.

Kalecki, M. (1991). Collected Works of Michal Kalecki (Vol. II). Oxford, UK: Clarendon Press.

Keynes, J. M. (2008 [1963]). The General Theory of Employment, Interest, and Money. New Dehli, India: Atlantic Publishers and Distributors Ltd.

Nakamura, T. (2002). ‘The principle of increasing risk’: Kalecki’s investment theory revisited. Review of Political Economy, 14(1), 115-123.

Schwule Enten…

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oder warum Neuseeland ein lustiges Land ist:

Wenn man ueber Neuseeland nachdenkt, faellt dem gemeinen Mitteleuropaer wohl als erstes die atemberaubende Natur ein. Man koennte meinen, mit so einem Ausblick koennte man quasi sorgenfrei leben allerdings gibt es hier auch ganz weltliche Probleme des gesellschaftlichen Zusammenlebens die man auch anderswo kennt.

Eines dieser einigermassen aktuellen Probleme ist die oeffentliche Diskussion ueber die gleichgeschlechtliche Ehe und hier argumentieren gerade die erzkonservativen Kraefte eher nach dem amerikanisch-evangelikalischen Vorbild obwohl Neuseeland einst eine Britische Kolonie war. Wie so oft fuehlt sich auch wirklich jeder dazu berufen in diese Diskussion einzusteigen und so auch die 14 jaehrige Jasmin aus einem kleinen Oertchen auf der Suedinsel. Sie hat ihre Sicht auf die Gefahr der Homosexualitaet in einem Leserbrief an die Lokalzeitung Northern Outlook geschickt und dieser wurde auch veroeffentlicht. Und hier ist er:

Die bestechende Logik in Kuerze: Wenn Homosexualitaet sich ausbereitet stoppt die menschliche Evolution und Enten, die sich ihrerseits durch heterosexuelle Paarbildung weiterentwickeln, werden zu einer ernstzunehmende Gefahr fuer die Stellung des Menschen in der Natur/Evolution. Also ist Homosexualitaet zu stoppen, bevor uns die Enten an den Kragen gehen!

Quelle:

 Zimmerman, N. (2012). Homosexuality will lead to enslavement of humanity by ducks warns homeschooled teen. Retrieved, October 16., from http://gawker.com/5951874/homosexuality-will-lead-to-enslavement-of-humanity-by-ducks-warns-homeschooled-teen